Pressemeldung vom: 27.02.2013 - 14:02 Uhr

Von Werkstätten und Bildungshäusern

Von Christoph Trost

Bei einer zweitägigen Zukunftswerkstatt im Kyffhäuserkreis am 21. und 22. Februar 2013 haben verschiedene Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bildungsbereich des Kyffhäuserkreises über das Thema Bildung diskutiert. Mit dieser Zukunftswerkstatt wollten die Veranstalter von „Lernen vor Ort“ die Akteure „einfach mal spinnen zu lassen“, hieß es. Unabhängig von globalen oder regionalen Gegebenheiten, unabhängig von Haushaltszwängen,  infrastrukturellen oder sonstigen Bedingungen wurden Ideen und sogar Visionen für die Zukunft der Bildung im Landkreis entwickelt. Anschließend versuchte man diese Visionen mit der Realität zu verknüpfen und erarbeitete konkrete Vorgehensweisen.  

Aber was in einer Werkstatt passiert, bleibt meist in der Werkstatt. Bloß das Produzierte purzelt am Ende heraus, schreibt der Teilnehmer der Zukunftswerkstatt Christoph Trost. Er absolvierte zwei Schuljahre und sein Abitur an einer internationalen Schule in Indien und gibt Einblicke in das Herumwerkeln der Zukunftswerkstatt zum Thema „Bildung im Kyffhäuserkreis“:

In der Vorstellungsrunde wurde gleich klar: Bildung, was ist das eigentlich? Aus Politik, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung kamen wir angereist und brachten unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema mit. Genau darum ging es, ein Ideenaustausch, der in einem konkreten greifbaren Endprodukt gipfelt. Unentschuldigt fehlten: Aktive Lehrer und Direktoren allgemeinbildender Schulen und mit dem Thema „Schule“ beschäftigte sich auch in einer der drei „Utopie-Gruppen“.
    
Sicher haben Schulen ein schweres Los gezogen, in einer Gegend, wo hinter jeder Ecke das Demografie-Gespenst kauert. Aber es gibt Hoffnung, nicht bloß für Schulen und Verwaltung.

Schulleitbilder sind immernoch vollgestopft mit luftigen Begriffen: „Bildungsauftrag“, „ganzheitliche Entwicklung“ und „Leistungsstreben“ - Schlagworte, die mir als Schüler so nahestanden wie das Australische Outback. Dabei wäre es doch gar nicht so schwer, jeder Schule im Kreis ein einmaliges Bild zu geben.

Vereine in die Schulen holen, Schul-Bibliotheken für Interessierte öffnen, den Kontakt mit Ehemaligen aufrechterhalten, schulübergreifende Schülerzeitungen oder sogar angegliederte Cafés könnten tatsächlich die hohen Schulmauern einreißen und das Idealbild vom „generations- und klassenübergreifenden Bildungshaus“ ermöglichen. Auch andere Formen der Spezialisierung – Alleinstellungsmerkmale –  wie es der Reitsport für das Gymnasium Greußen beispielsweise war, dienen als natürlicher Schutz jeder Schule gegen den Rotstift der Haushälter.

Es wäre nun stark vereinfacht zu sagen, alle Schuld läge bei Verwaltung, Haushalt, Schulnetzplanung. Sich öffnen für Fremdes und Auswärtiges, fern von jedem Lehramtsstudium kann jeder Form von Bildung, sei es auch nur die Meinungsbildung, als Chance dienen – wenn Schüler, Eltern, Ehemalige, Nachbarn, Vereine mitziehen. Soweit ließ es sich jedenfalls in der Zukunftswerkstatt zusammenspinnen.

Wer hat denn unter dem Druck der Lehrpläne schon Zeit für solche Ausschweifungen, wer soll den sowas machen, höre ich es schon zurückschallen. Doch wer dann eine Schule schließt für das Allgemeinwohl des Kreises, ist allen erstaunlich klar.

Früher sagte man spinnen, heute heißt es Zukunftswerkstatt, Open Space und World Café. Das konkrete, greifbare Ergebnis der Schulgruppe in der Zukunftswerkstatt, ist ein einfacher Appell: Spinnt doch mal ein bisschen in den Schulen, den Amtsstuben, zu Hause am Küchentisch. Es gibt auch Leute, die euch dabei helfen können.

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