Pressemeldung vom: 21.02.2017 - 10:02 Uhr


Projekt „Herzklopfen“ - Eine Angelegenheit, die auch Nichtbetroffenen nahegeht

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Nur drei kleine Wörter in einem kurzen Satz – und doch steckt dahinter so unglaublich viel Wirkung, mit der sich nicht nur erwachsene Personen direkt auseinandersetzen müssen, sondern auch Jugendliche und Kinder. Sie sind oft die Leidtragenden der Folgen, die aus familiären Problemen und häuslicher Gewalt resultieren.

Gaby Schmidt, Mitarbeiterin der ThINKA Artern weiß: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder auf ihrem weiteren Lebensweg genau das weitergeben, was sie in ihrer Entwicklung psychisch und emotional erfahren haben, ist sehr hoch. Ein Kind, das mit viel Liebe erzogen wurde, wird in der Regel auch als Erwachsener in der Lage sein, dem Partner, den eigenen Kindern sowie weiteren Mitmenschen entsprechend liebe- und respektvoll zu begegnen.“
ThINKA Artern, die Thüringer Initiative für Integration, Nachhaltigkeit, Kooperation und Aktivierung, hat es sich daher - neben einer Vielzahl an weiteren Projekten - zur Aufgabe gemacht, dieser Problematik aktiv entgegenzutreten. Gemeinsam mit Jugendlichen der Regelschule wurde diese sensible Thematik im Rahmen eines Workshops mit dem berührenden Titel „Herzklopfen“ aufgegriffen. In Zusammenarbeit mit der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt & Stalking der Caritas Nordhausen und den Schulsozialarbeiterinnen wurde ein Projekt auf den Weg gebracht, welches im Speziellen der Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen präventiv begegnen soll.

Dass diese Thematik nicht nur großen Zuspruch erfährt, sondern auch tatsächlich unumgänglich ist, zeigte allein die rege Teilnahme mit 12 weiblichen und 4 männlichen Teilnehmern. Zur besonderen Freude der Mitarbeiterinnen Gaby Schmidt und Sabine Stolze, „trauten sich“ diese Jugendlichen „ihrem Herzen zu folgen“ und das Angebot zu nutzen, das Thema „Gewalt“ mit geschultem Personal detailliert zu erörtern.

Die speziell dafür ausgebildeten Trainerinnen der Caritas Nordhausen gingen mit den jungen Teilnehmern auf eine vollkommen neue Erfahrungsreise. Der Schwerpunkt des Workshops lag im respektvollen Umgang miteinander, dessen vermittelte Werte und Erkenntnisse den Jugendlichen vorrangig in ihren Paarbeziehungen helfen sollen.
Am 09. und 10. Februar 2017 begegneten sich 16 Jugendliche sowie die Leiter des Projektes mit ganz viel „Herzklopfen“ in den Räumen der Regelschule Artern.

„Dass es nicht einfach ist, diese Problematik offen anzusprechen – vor allem auch Fremden gegenüber, ist klar“, sagt Sabine Stolze. „Es war für jeden von uns eine ganz neue Erfahrung und vor allem auch eine Herzensangelegenheit. Es gibt leider immer noch sehr viele Jugendliche und Kinder, die es nicht leicht haben in ihrem Leben. Schön ist es dann, wenn wir ihnen etwas mit auf den Weg geben können, das sie stärkt, schützt und das ihnen hilft.“

Im Rahmen des zweitägigen Workshops brachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre eigenen Gefühle und Meinungen zum Ausdruck, die mit dem bisher Erlebten, ihren Wahrnehmungen und ihrem Handeln im unmittelbaren Zusammenhang stehen.

Fragen wie „Was ist eine respektvolle Beziehung?“, „Wo beginnt Gewalt?“ oder „Was sind mögliche Warnhinweise in einer Liebesbeziehung?“, wurden gemeinsam erörtert und die Fähigkeit zum gewaltfreien Umgang mit Beziehungskonflikten durch verschiedene Übungen gefördert.

Sensibilisiert auf Anzeichen von Gewalt in Beziehungen, aber auch auf den respektvollen Umgang miteinander, das Äußern von Wünschen und Bedürfnissen sowie den gewaltfreien Umgang mit Beziehungskonflikten, ziehen die Workshopteilnehmer ein positives Resümee. „Das war wirklich toll!“ Abschließend wurden ihnen mögliche Wege aus der Beziehungsgewalt vorgestellt und auf konkrete Hilfsangebote des Kyffhäuserkreises aufmerksam gemacht. „Jeder, der sich über dieses Thema gern informieren möchte oder begleitende Unterstützung sucht, kann sich jederzeit gern an uns wenden“, betonen Gaby Schmidt und Sabine Stolze.

ThINKA wird durch den Freistaat Thüringen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert.

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