Pressemeldung vom: 11.04.2013 - 14:04 Uhr

Erneuter Rückschnitt des Baumnaturdenkmals „Linde an der Straße von Clingen nach Westgreußen“ notwendig

Mit einem Brusthöhendurchmesser von 2,21 m, einer  ursprünglichen Höhe von 26 m und einem ursprünglichen Kronendurchmesser von 29 m, einem geschätzten Alter von ca. 300-400 Jahren und einer nach wie vor malerischen Gesamterscheinung zählt die als Baumnaturdenkmal geschützte Sommerlinde an der Straße zwischen Clingen und Westgreußen zu den imposantesten Baumgebilden im Kyffhäuserkreis.

Ein um 1998 einsetzender Vitalitätsverlust des Baumes in Verbindung mit einem riesigen Faulherd in 2 – 3 m Höhe, der damals schon den gesamten Stammschaft und die Basis der in etwa 4 m Höhe abzweigenden kronenbildenden Hauptäste erfasst hatte und auf den Ausbruch eines Stämmlings vor mehreren Jahrzehnten zurückzuführen war, erforderte umgehendes Handeln zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit. So musste bereits im Jahr 2000 entsprechend der Vorgabe eines Gutachtens eine Kronenpflege mit starker Entlastung eines waagerechten Starkastes und zweier Stämmlinge neben der Ausbruchstelle sowie der Außenkrone über der anschließenden Straße vorgenommen worden.

Seit Mitte 2001 wurde zudem ein fortschreitender Vitalitätsverlust zweier straßenzugewandter Stämmlinge beobachtet. Ein wurzelseitig eingedrungener Pilzbefall war damals die Ursache dieses schleichenden Absterbens. Befallssymptome (vertrocknete und verkümmerte Wasserreiser) zogen sich zumindest unterhalb der betroffenen Starkäste am Stammschaft hoch und deuteten damit unzweifelsfrei auf die Infektionsquelle, die in keinem Zusammenhang  mit der Ausbruchstelle gebracht werden konnte, hin.

4 - 5 Jahren zuvor war die Westgreußener Straße grundhaft ausgebaut worden. Damals sind mit Sicherheit Wurzeln verletzt worden, über die nachfolgend die Schaderreger eindringen konnten. Zur fachlichen Klärung wurde durch die Untere Naturschutzbehörde des Kyffhäuserkreises erneut ein Baumgutachten in Auftrag gegeben, welches zu folgendem Schluss kam: „Im Zusammenhang mit den nördlichen, straßennahen Stämmlingen ist die Holzzerstörung infolge Pilzbefall bereits so erheblich, dass die Vitalität stark beeinträchtigt ist und ein Absterben dieser Stämmlinge mittelfristig zu erwarten ist. Die Bruchsicherheit ist bei bestehendem Höhen- und Massenniveau in Anbetracht der fortgeschrittenen Holzzerstörung nicht gegeben. Der Einbau wirksamer Seil-Ringverbindungen scheitert an der weitgehenden Zerstörung der straßenseitigen Stämmlinge". Der Gutachter empfahl deshalb einen Kronensicherungsschnitt von ca. 70 - 75 %,  das bedeutete eine Reduzierung auf eine Resthöhe von ca. 8 - 9 m, welche 2002 notgedrungen ausgeführt wurde.

Eine erneute gutachterliche Überprüfung sollte spätestens 10 Jahre danach vorgenommen werden. Diese erfolgte 2011 mit folgendem Ergebnis: „Die 2002 durch einen Kronensicherungsschnitt geköpfte und durch einen alten Stämmlingsausbruch um Südosten am Stamm tief eingefaulte Linde hat inzwischen eine breite, insgesamt 16,5 m hohe Sekundärkrone gebildet. An den ehemaligen Schnittstellen haben sich zur Hälfte bis etwa zu zwei Dritteln kopfartige Austriebs- und Überwallungsstellen gebildet. Die jedoch nun, da sie noch nicht geschlossen sind (keine „Ringkraft“ aufweisen) ob ihrer Stärke, Länge, Wind- und statischen Last zunehmend ausbruchgefährdet sind. Daher ist für die nahe Zukunft (2012 oder 2013, möglichst Anfang April) ein erneutes Köpfen der gesamten Krone vorzunehmen, um bei minimierter Last an den neuen Köpfen deren Ringschluss (Kopfschluss) durch verbreiterte Überwallungen zu befördern und dadurch ein statisch optimiertes „Fundament“ für einen Kronenneuaufbau in zukünftige Baumhöhe über 20 m ohne vorhersehbare Bruchgefahr zu ermöglichen. Zusätzlich ist eine Aufastung auf ca. 3 m am Stamm vorzunehmen.“

Diese zum langfristigen Erhalt des Baumnaturdenkmals notwendigen Maßnahmen werden im April diesen Jahres im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde des Kyffhäuserkreises durch eine Fachfirma ausgeführt.

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