Pressemeldung vom: 07.08.2014 - 08:08 Uhr


Brauchen wir ein Kulturentwicklungskonzept?

Nordhausen/Sondershausen: (sys) Es ist fast genau ein Jahr her, da erhielten die Landkreise Kyffhäuser und Nordhausen Nachricht aus dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK): Die gemeinsame Bewerbung für die Erarbeitung einer überregionalen Kulturentwicklungskonzeption (KEK) war erfolgreich! Das aus Mitteln des TMBWK finanzierte Projekt, das sich vorwiegend mit einer strategischen Ausrichtung kulturpolitischer Entscheidungen für die Zukunft befasst, konnte starten. Recht schnell gelang es, notwendige Vorbereitungen in beiden Landratsämtern zu treffen, Koordinatoren für dieses Projekt zu finden und einen Regionalbeirat für die Modellregion in Nordthüringen zu etablieren. Wissenschaftlich betreut wird das Projekt vom renommierten Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. in Bonn. Projektleiter Dr. Patrick S. Föhl gilt als ausgewiesener Experte für die Beratung und Begleitung kulturpolitischer Prozesse sowohl in Deutschland als auch in Europa und weltweit.

Erste Schritte auf dem Weg zum zukunftsweisenden Entwicklungskonzept sind bereits getan: Eine umfassende Strukturanalyse der Region, die in konzentrierter Form alle kulturrelevanten, sozialen und wirtschaftlichen Merkmale darstellt, liegt vor; eine Auftaktveranstaltung und der erste Kulturworkshop wurden erfolgreich und unter Beteiligung einer breiten Öffentlichkeit durchgeführt; der zweite und dritte Kulturworkshop für Nordthüringen sind derzeit in Vorbereitung. Das Kulturentwicklungskonzept für die Modellregion in Nordthüringen soll bereits Anfang 2015 fertiggestellt sein und den kulturellen Akteuren (Politik, Verwaltung, Kulturschaffende, Nutzer) zur Verfügung stehen.

Doch wofür das ganze Planen und Konzipieren?  Brauchen wir ein weiteres Konzept, das teuer bezahlt in den Schubladen der Amtsschreibtische verschwindet? Gibt es etwas wirklich Neues für unsere Kulturlandschaft? „Zum ersten Mal überhaupt wird in den Thüringer Modellregionen ein Kulturentwicklungskonzept mit so breiter öffentlicher Beteiligung erarbeitet. Der Regionalbeirat ist eng in den Prozess eingebunden; erste Workshop-Ergebnisse werden mit flankierenden Gutachten von ausgewiesenen Experten beraten; zahlreiche Interviews, Befragungen und Erhebungen geben ein umfassendes Bild der Kultur in der Region. Für einen derart umfangreich ausgestalteten und partizipativen Prozess gibt es  in Deutschland kaum vergleichbare Beispiele und das macht die Arbeit an diesem Projekt besonders spannend“ erklärt Dr. Patrick S. Föhl.

Vor dem Hintergrund schrumpfender finanzieller Spielräume der Kommunen, welche den größten Anteil an der Bereitstellung der kulturellen Infrastruktur tragen, ist ein „weiter so“ nicht möglich. Das Kulturentwicklungskonzept kann einerseits den Kulturpolitikern helfen, eine bürgernahe und nutzerorientierte Kulturpolitik für eine lebens- und liebenswerte Kulturlandschaft in der Region zu gestalten. Andererseits zeigt das Konzept auf, welche Schwerpunkte in der Modellregion gesetzt werden sollten. Hier sind als erste Ergebnisse aus den Kulturworkshops bereits die Entwicklung des Kulturtourismus sowie die Angebote in der kulturellen Bildung deutlich geworden. Beide Aspekte werden von erfahrenen Wissenschaftlern und Praktikern gemeinsam mit den handelnden Akteuren vor Ort intensiv untersucht.

Und auch für die Kulturakteure in den zahlreichen Vereinen, in der Freien Szene, den Theatern, Museen, Baudenkmälern oder Schulen wird das Kulturentwicklungskonzept wichtig sein: so zeigt es eventuell bisher noch nicht ausgeschöpfte Potentiale der Vernetzung und Kooperation und macht die wertvolle Arbeit der vielen ehrenamtlichen Akteure sichtbar.

Der zweite Kulturworkshop zur Erarbeitung der überregionalen Kulturentwicklungskonzeption Nordthüringen ist für den 9. September 2014, 14 Uhr im Kunsthof Friedrichsrode geplant. Wer gern dabei sein möchte, findet ein Anmeldeformular und weitere Informationen zum Projekt auf kulturkonzept-kyf-ndh.de. Und wer Ideen, Anregungen oder Vorschläge hat, findet auf dieser Seite auch alle Kontakte zu den Regionalkoordinatoren, die gern mit kulturinteressierten Bürgern ins Gespräch kommen.

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