Pressemeldung vom: 01.10.2014 - 11:10 Uhr


Kinderschutz stellt hohe Anforderungen – Jugendämter brauchen Vertrauen

Vor wenigen Tagen haben ihr viele zugeschaut und emotional Anteil genommen: Katharina Bruckner alias Corinna Harfouch als Frau vom Jugendamt, die für den kleinen Joe und seine Mutter die Weichen für eine bessere Zukunft stellt. Katharina Bruckner steht für viele in dieser Gesellschaft. Bundesweit sind rund 8.000 Bezirkssozialarbeiter/-innen in den Allgemeinen Sozialen Diensten der Jugendämter beschäftigt – allein 12 davon im Kyffhäuserkreis.

Häufig redet man in der Öffentlichkeit nur dann über ihren Beruf, wenn es schlecht läuft, wenn Kinder trotz Hilfen zu Schaden kommen. Damit gerät aus dem Blick, welch vielfältige und oft erfolgreiche Unterstützung für Kinder, Jugendliche und Familien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Allgemeinen Sozialen Dienste leisten. Sie beraten Mütter, Väter und alle Personen mit Erziehungsfragen, sie organisieren alltagspraktische Hilfen und Entlastung für Familien, sie fördern Kinder in ihrer Entwicklung – oder sorgen im Zweifelsfall wie bei Joe zeitweilig auch für den notwendigen Schutz von Kindern. Das Spektrum an Problemen, auf die der ASD tagtäglich Antworten sucht, ist dabei breit: ratlose Eltern, Familienkrisen, Schulprobleme, Gewalt, Alkohol- und Drogensucht.

„Wir wissen, dass Eltern in der Regel das Beste für ihre Kinder wollen. Nur manchmal ist der Alltag, die eigene Biografie so belastend, dass Erziehung alleine nicht gelingt. Häufig hilft es dann, jemanden an seiner Seite zu haben. Deshalb setzen wir auch bei Problemen alles in erster Linie daran, die Eltern in ihrer Erziehung zu stärken und zu unterstützen und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wir sind ihre Partner in Erziehungsfragen“, erläutert Melanie Mechtold, die den Allgemeinen Sozialen Dienst im Jugend- und Sozialamt des Kyffhäuserkreises leitet.

Die Sozialen Dienste der Jugendämter haben die Aufgabe, Eltern und ihre Kinder dort zu
unterstützen, wo Hilfe notwendig ist. Dies erfolgt vor allem durch beratende und unterstützende Hilfen bei der Erziehung, wie etwa in Form einer ambulanten Familienhilfe. Auf diese Hilfe sind zunehmend mehr Familien angewiesen: 9.864 Hilfen zur Erziehung haben die Jugendämter 2012 in Thüringen insgesamt geleistet (Quelle Landesamt für Statistik). Allein im Kyffhäuserkreis wurden im Jahr 2012   313 und im Jahr 2013   316 Familien, Kinder und Jugendliche durch Erziehungshilfen erreicht.

Wann aber ist Unterstützung und Hilfe in der Familie noch aussichtsreich und wann ist der Punkt erreicht, wo Sicherheit und Schutz des Kindes eine zumindest vorübergehende Trennung von den Eltern erfordern? Und welche Risiken wiederum bringt die Trennung von den Eltern für den weiteren Lebensweg des Kindes?

Alle sind sich einig: Kinder und Jugendliche bedürfen des Schutzes durch die Gesellschaft. Doch welcher Weg im Einzelfall der Richtige ist, diese Frage verlangt den Sozialarbeiterinnen und – arbeitern im Jugendamt im Einzelfall schwierige Abwägungsprozesse ab. Kinderschutz ist eben kein Kinderspiel!  „Wir versuchen uns immer ein möglichst umfassendes Bild zu machen und vielfältige Perspektiven einzunehmen. Alleine kann man eine solche Entscheidung oft gar nicht treffen, schließlich haben sie weitreichende Folgen für die Lebensläufe der Kinder. Die Beratung jedes einzelnen Falls mit den Kollegen und Kolleginnen ist deshalb unverzichtbarer Bestandteil unserer täglichen Arbeit“, erläutert die Sachgebietsleiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes.

Und auch hier erhöhen steigende Fallzahlen die Belastungen für die Fachkräfte des Allgemeinen Sozialen Dienstes: Im Jahre 2013 wurden seitens des Jugendamtes im Kyffhäuserkreis in gut 150 Fällen geprüft, ob ein Kind gefährdet ist und ob akute Maßnahmen zu seinem Schutz ergriffen werden müssen.

Was braucht der ASD, um diese schwierige Arbeit so erfolgreich schultern zu können wie Katharina Bruckner? Melanie Mechtold hat darauf eine klare Antwort: „Wir brauchen genügend und gut qualifiziertes Personal, das durch Supervision, Beratung und Fortbildung in dieser schwierigen Aufgabe ausreichend unterstützt wird. Und wir brauchen Bürgerinnen und Bürger, für die das Jugend- und Sozialamt nicht Drohkulisse, sondern unverzichtbarer Partner im Kinderschutz ist und die Eltern ermutigen und bestärken, sich bei Fragen und Problemen auch hier Hilfe zu suchen. Denn das ist oft schon der erste Schritt zur Lösung.“

Hinweis für die Redaktion

Sollten Sie weiterführendes Interesse / Fragen haben kommen Sie bitte auf uns als Jugend- und Sozialamt zu. Kontakt: 03632 741 641 – Melanie Mechtold.

Zum ARD-Film: Katharina Bruckner – 12 mal auch im Jugend- und Sozialamt des Kyffhäuserkreises im Einsatz

Der Beratungsbedarf steigt: In rund 600 Jugendämter bieten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wie Katharina Bruckner im ARD-Film Erziehungsberechtigten, Kindern und Jugendlichen kompetente Unterstützung in unterschiedlichen Lebensphasen.

Foto: Stadt Bochum.


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