Pressemeldung vom: 26.06.2015 - 09:06 Uhr


Gedenken an Flucht und Vertreibung

Auf Beschluss der Bundesregierung wurde in diesem Jahr der 20. Juni erstmals als „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“ begangen. Dies nahm der Kreisverband Artern des Bundes der Vertriebenen (BdV) zum Anlass, am Gedenkstein der Opfer von Flucht und Vertreibung auf dem Sömmerdaer Hauptfriedhof gemeinsam mit Heimatvertriebenen und ihren Nachfahren, Vertretern aus Politik und Kirche in einer kleinen Feierstunde an das Geschehene zu erinnern, zu gedenken und zu mahnen.

Umrahmt durch Musik und anrührende Gedichtvorträge, unter anderem von der Zeitzeugin Margarete Ritter aus Kindelbrück, wurden die Fahnen der Heimat gehisst und derer gedacht, die vor 70 Jahren ihre Heimat – und oft auch ihr Leben verloren.

Erwin Tesch, stellvertretender Landesvorsitzender vom Bund der Vertriebenen, zeigte sich betroffen, dass 70 Jahre vergehen mussten, ehe das Schicksal der Deutschen, die nach Kriegsende millionenfach aus ihren Heimatgebieten im Osten und Südosten Europas vertrieben wurden, in dieser Form angemessen Anerkennung erfährt.

Gemäß des diesjährigen Leitwortes des BdV „Vertreibungen sind Unrecht – gestern wie heute“ appellierte Tesch an unsere Verantwortung, den Menschen anderer Volks- und Religionszugehörigkeit, die heute auf der Flucht sind, zu helfen und ihnen Schutz und Zuflucht in Deutschland zu gewähren. Tesch selbst war sechs Jahre alt, als er mit seiner Mutter, seinem Bruder, dem Opa und seiner Tante seine Heimat verlassen musste. Er hat miterlebt, wie seine Landsleute enteignet, entrechtet, abtransportiert, körperlich und seelisch misshandelt wurden. „So etwas vergisst du nicht“ sagt Erwin Tesch.

Diese Menschen, von denen wir keinen Namen wissen und die bis heute kein Grab gefunden haben, nicht zu vergessen und ihren Status als Opfer anzuerkennen, müsse künftigen Generationen Bedürfnis und Pflicht gleichermaßen sein, mahnte auch Heinz Untermann, der in Vertretung von Landrat Harald Henning an der Veranstaltung teil nahm. Er würdigte die Arbeit des BdV und bedankte sich bei der ehrenamtlichen Vorsitzenden des Kreisverbands Artern, Brigitte Pupowski, die sich seit der Auflösung des Sömmerdaer Kreisverbands um die Betreuung der ehemaligen Mitglieder bemüht.

zurück