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Naturschutzgroßprojekt "Kyffhäuser"


WAS ist das Naturschutzgroßprojekt "Kyffhäuser"?

Unter dem Namen "Naturschutzgroßprojekte von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung für Deutschland" (NSGP) versteht man im weitesten Sinne Förderprogramme, die der Errichtung und Erhaltung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft, mit bundesweit beispielhafter Bedeutung dienen. Es handelt sich um Gebiete, deren Naturausstattung (Pflanzen- und Tierwelt) deutschlandweit bedeutsam ist.

 

WO befindet sich das Naturschutzgroßprojekt "Kyffhäuser"?

Das über eine Gesamtfläche von etwa 7000 Hektar verfügende Projektgebiet erstreckt sich am Nordrand des Thüringer Beckens. Innerhalb des Projektgebietes wurden 8 sogenannte Kerngebiete ausgegliedert, die sich am Rande des zentralen Waldgebietes des Landschaftsschutzgebietes "Kyffhäuser" (Erstausweisung 1941) erstrecken. Auf diese entfällt eine Fläche von etwa 3000 Hektar. Die Kerngebiete werden als Naturschutzgebiete gesichert und beherbergen die bedeutendsten Vorkommen seltener Tier- und Pflanzenarten des Kyffhäusergebirges, einschließlich deren Lebensräume.

 

WANN und WARUM wurde das Naturschutzgroßprojekt "Kyffhäuser" ins Leben gerufen? 

Das Projektgebiet des NSGP ist eine großräumig naturnahe Gipskarstlandschaft, geprägt durch zahlreiche sehr seltene Tier- und Pflanzenarten, von denen einige deutschlandweit nur im Kyffhäusergebiet vorkommen. Die größten Besonderheiten findet man in den offenen, allmählich zuwachsenden Magerrasenflächen in den Südlagen des Gebirgszuges. Das Projekt sichert die langfristige Erhaltung dieser einmaligen und artenreichen Landschaft. Aus diesem Grund wurde im November 1995 ein Projektantrag an das Bundesamt für Naturschutz in Bonn gestellt. Mit Übergabe des Bewilligungsbescheides am16. April 1997 durch das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt wurden die ersten Maßnahmen des Projektes in Angriff genommen. Die Projektleitung und Trägerschaft wurden dem Amt für Umwelt, Naturschutz und Wasserwirtschaft des Landratsamtes Kyffhäuserkreis zugeordnet. Die Finanzierung des Projektes wird zu 75 % vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit übernommen. Die verbleibenden Finanzierungsanteile werden zu 15 % vom Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt sowie zu 10 % vom Kyffhäuserkreis getragen. Der Landkreis Nordhausen beteiligt sich entsprechend seines Flächenanteils im Projektgebiet mit etwa 6 % am Anteil des Kyffhäuserkreises. Die Laufzeit des Projektes wurde für den Zeitraum von 10 Jahren bewilligt und endet zum 31. Dezember 2006.

Die Fortführung des Projektes nach 2006 obliegt dem Kyffhäuserkreis in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt.

WELCHE Ziele hat das Naturschutzgroßprojekt "Kyffhäuser" und WELCHE Maßnahmen werden dazu genutzt ?

Der Erhalt der durch den Gipskarst geprägten Landschaft mit äußerst artenreichen Strukturen zählt zu den vorrangigen Zielen des Projektes. Dabei steht die Erhaltung der Trocken- und Halbtrockenrasen, der Felssteppen, Trockengebüsche, Eichentrocken- und Buchenwälder sowie Höhlen und Karstquellen im Vordergrund. Außerdem soll die extensive Nutzung der Magerrasen, Laubmischwälder, Streuobstwiesen, Grünlandflächen und Äcker, sowie in den Gebieten der bodensauren Standorte im Südosten des Gebietes beibehalten werden. Erreicht werden sollen diese Ziele unter anderem durch:

- Flächenkauf in den Bereichen der 8 Kerngebiete (Grunderwerb)
- Einrichtung und Erweiterung von Totalreservaten, sowie Bestandsumbau von Forsten
- Erstpflegemaßnahmen im Offenlandbereich (Entbuschung, Mahd,    Obstwiesenpflege)
- Neuanlage von Streuobstwiesen
- Umwandlung von intensiv genutzten Äckern in Grünland oder Xerothermrasen
- Durchführung einer langfristigen Effizienzkontrolle (Kontrolle der Wirksamkeit der Maßnahmen) 
- Schaffung von zusammenhängenden Weideflächen nach dem Vorbild früherer Weidekultur
- Erhaltung der Ackerwildkräuter durch Fortführung und Förderung einer extensiven Ackernutzung

 

Zur zielgerichteten Durchführung dieser  Maßnahmen wurde ein 19 bändiger Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) erarbeitet. Auf der  Grundlage dieses umfangreichen Planungswerkes, das auf umfangreichen Erfassungen von Flora, Vegetation, Fauna, Geologie basiert, wurden umfangreiche Vorschläge erarbeitet, die zur Stabilisierung und Verbesserung des Gebietszustandes notwendig sind. Diese wurden durch die großflächig durchgeführten Pflegemaßnahmen (Entbuschung, Mahd, Obstwiesenpflege, ...) zum großen Teil bereits umgesetzt.

WELCHE Gefahren und Beeinträchtigungen gibt es im Naturschutzgroßprojekt ?

Im Vergleich zu anderen Gebieten ist das Projektgebiet relativ gering von Straßenbau, touristischem Ausbau, Zersiedelung und Abbau von Bodenschätzen belastet. Vor 1990 war es vor allem die intensive Landwirtschaft, die zu Problemen im Bereich des Natur- und Umweltschutzes. Die größten Belastungen gingen von Nähr- und Schadstoffeintragungen, von Biozideinwirkungen, sowie von der Bewirtschaftung durch Barriere- und Verinselungseffekte aus. Nach dem Rückgang der althergebrachten, größtenteils extensiven Nutzungsformen, wie etwa der Schaf- und Ziegenhaltung, trat in den vergangenen einhundert Jahren eine allmähliche Verbuschung und Wiederbewaldung der offenen Magerrasen ein. Diese führt zu einer drastischen Verschiebung innerhalb des Artenspektrums und über längere Zeit zum Verlust zahlreicher Lebensräume mit ihrer einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt. Außerdem sind zahlreiche Streuobstbestände durch Überalterung und unzureichende Pflege bereits in bedenklichem Zustand. Auch die Aufgabe von mehr oder weniger extensiv genutzten (Kalk-)Ackerflächen erschwert den langfristigen Erhalt der überaus wertvollen Segetalflora und -fauna erheblich. Die Aufgabe historischer Waldnutzungsformen, wie Nieder- und Mittelwaldnutzung und die Aufforstung ehemaliger Magerrasen und Heideflächen mit standortfremden Nadelhölzern (z.B. Wald- und Schwarzkiefer, Fichte und Lärche) haben ebenfalls zum Verlust wertvoller Wald- und Magerrasenstandorte beigetragen.